Der kleine Lebensretter

Der kleine Lebensretter – eine Erzählung von Wilhelm von Kügelgen. Wenn wir im Garten spielten, schloß sich uns häufig ein kleiner Barfüßler von unserm Alter an. Er hieß Fritz Petzold und war der Sohn des Gärtners. Eines schönen Morgens ließ uns nun unsere Wärterin ohne Aufsicht. Wir aber vergnügten uns mit einigen zugelaufenen Nachbarskindern, welkes Laub aufzulesen und über as Geländer der kleinen Brücke in die Katzbach zu werfen. Dann liefen wir einige dreißig Schritte abwärts, wo zum Wasserschöpfen an tiefer Stelle ein Schmales Brett über den Bach gelegt war,…

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Der kleine Friedensbote

Der kleine Friedensbote – eine Erzählung von Karl Stöber Ein Gerber und ein Bäcker waren einmal Nachbarn, und die gelbe und die weiße Schürze vertrugen sich aufs beste. Wenn dem Gerber ein Kind geboren wurde, hob es der Bäcker aus der Taufe, und wenn der Bäcker in seinem großen Obstgarten an die Stelle eines ausgedienten Invaliden eines Rekruten bedurfte, ging der Gerber in seine schöne Baumschule und hob den schönsten Stamm aus, den er darin hatte, eine Pflaume oder einen Apfel oder eine Birne oder eine Kirsche, je nachdem er…

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Der Kirschzweig

Der Kirschzweig – eine Erzählung von Peter Rosegger Meine Eltern waren mit und Kindern überaus milde und nachsichtig; aber ihren vollsten Zorn ließen sie uns fühlen, wenn sie uns auf irgendeiner Unwahrheit ertappt hatten. Nun kam ich einmal ein einem Sommertag mit einem üppig mit schwarzen Kirschen beladenen Zweig nach Hause. Ich hatte ihn ihm Hintergarten des Nachbarns heimlich vom Baum gebrochen. Meine Mutter fragte mich sofort, woher ich den Kirschzweig hätte. Ich antwortete im ersten Schreck: “Von unserm Baum.” Kaum war das erste Wort heraus, so fiel mir ein,…

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Der Faule

Der Faule – Gedicht von Robert Reinick. Heute nach der Schule gehen, da so schönes Wetter ist? Nein! Wozu denn immer lernen, was man später doch vergißt! Doch die Zeit wird lang mir werden, und wie bring ich sie herum? Spitz, komm her! Dich will ich lehren. Hund, du bis mir viel zu dumm! Andere Hund´ in deinem Alter, können dienen, Schildwach` stehn, können tanzen, apportieren, auf Befehl ins Wasser gehn. Ja, du denkst, es geht so weiter, wie du´s sonst getrieben hast; nein, mein Spitz, jetzt heißt es lernen!…

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Der erste Zahn

Der erste Zahn – ein Gedicht von Matthis Claudius Viktoria! Viktoria! Der kleine weiße Zahn ist da! Du, Mutter, komm, und groß und klein im Hause, kommt und guckt hinein, und seht den hellen, weißen Schein! Der Zahn soll Alexander heißen. Du liebes Kind, Gott halt ihn dir gesund und geb dir Zähne mehr in deinen kleinen Mund und immer was dafür zu beißen! Das Gedicht “Der erste Zahn” aus dem Buch: Vor den Toren, Lesebuch für Rheinland-Pfalz, August Bagel Verlag Düsseldorf, 1952 Werbung:

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Auf freiem Felde

Auf freiem Felde – eine Erzählung von Manfred Kyber. Der Schnee lag kalt und weiß auf freiem Felde. Ein Hase und seine Frau suchten Futter. Die Pfoten froren. Es war ein mühsamer Weg und der Wind pfiff über die Fläche. Die Ausbeute war kümmerlich. Man mußte erst den Schnee fortkratzen, um etwas Essen zu finden. Die Pfoten wurden so leicht wund dabei. Man mußte sie dazwischen immer wieder ablecken. Auch war die Frau des Hasen leidend. Ein Bein war ihr zerschossen worden. Sie humpelte hilflos und gebrechlich über den Schnee.…

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Mutterliebe

Mutterliebe – eine Erzählung von Agnes Franz Frau Gertrud ging mit der kleinen Helene durchs Dorf. Überall blühten die Bäume und sangen die Vögel. Jetzt kamen sie auf eine Wiese voll herrlicher Blumen. “Laß uns hier bleiben!” bat Lenchen, und gern erlaubte ihr die Mutter, einige Himmelsschlüssel und Gänseblümchen zu pflücken. Da kam eine Henne vom Dorfe daher, die führte acht Kücklein. “O sieh, liebe Mutter”, rief Lenchen erfreut, “die niedlichen Kleinen! Wie wollig und rund sehen sie aus, und wie laufen alle so behende! Könnte ich doch nur eins…

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Fürs Herzbluten

Fürs Herzbluten Eine Erzählung von Heinrich Sohnrey Ich saß im Eisenbahnwagen dritter Klasse. “Ratteratt, ratteratt, ratteratt!” Mir gegenüber saß ein stiller, oft tieftraurig vor sich hinblickender Mann und, innig an ihn geschmiegt, ein etwa vier Jahre alles liebliches Mägdelein mit großen dunkeln Augen, aber blassem, schmerzhaftem Anlitz. Der Mann war, wie der Augenschein lehrte, des kranken Kindes Vater. Er hielt seinen rechten Arm um die Kleine geschlungen und drückte das von braunem Haar umflossene Köpfchen von Zeit zu Zeit fest an sich, und wenn er ihr etwas sagte, so nannte…

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Am Tage als die Ahne fort war

Am Tage als die Ahne fort war Erzählung von Peter Rosegger Wenn Jammer ist, und es scheint die Sonne drein: Traurigeres weiß ich nicht zu denken! Die Großen waren alle fort in die Kirche gegangen. Die gute Ahne, die sonst bei uns gewesen, hatten sie fortgetragen. Mir ist davon sonst nichts mehr recht in Erinnerung, als daß wir Kleinen des allzuweiten Weges halber daheim bleiben mußten und so den angstvollen Tag verlebten. Wir hatten uns eingeschlossen ins Haus, schlichen auf den Zehenspitzen umher und fürchteten uns vor Räubern und Mördern.…

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Muttersorgen

Muttersorgen – Gedicht von Arthur Schoke. Mütterlein, lieb Mütterlein, Wie mußt du doch immerfort fleißig sein! Wenn wir noch schlafen, am frühesten Morgen, mußt du dich schon plagen, mußt du dich schon sorgen, daß wir auch beizeiten den Kaffee kriegen, daß wir nicht zu lang´ in den Federn liegen, daß wir nicht etwa die Schule verpassen, auch Frühstücksbrot haben, nichts liegenlassen. Dann mußt du fegen und putzen und klopfen, mußt scheuern und flicken und bürsten und stopfen. Die Wäsche darfst du auch nicht vergessen und die Blumen, den Vogel, das…

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