Mit weicher Kinderhand

Mit weicher Kinderhand – eine Erzählung von Augustin Wibbelt An stillen warmen Nachmittagen sitzt Großvater an der Sonnenseite des Hauses im kleinen Gärtchen. Man trägt ihm seinen Lehnstuhl heraus; der ist jetzt sein guter Freund, der ihn mit seinen Armen fest und zuverlässig umfaßt. Jedesmal, wenn Großvater leisen Schrittes und vorsichtig tastend heranschlüft, sagt der alte Stuhl: “Komm, ruh dich aus, du hast genug gearbeitet! Lege dich bequem zurück und lehne dein Haupt an mein Nackenpolster – so, nun ruhe aus und träume ein wenig von verklungenen Zeiten!” Ach, es…

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Am Tage als die Ahne fort war

Am Tage als die Ahne fort war Erzählung von Peter Rosegger Wenn Jammer ist, und es scheint die Sonne drein: Traurigeres weiß ich nicht zu denken! Die Großen waren alle fort in die Kirche gegangen. Die gute Ahne, die sonst bei uns gewesen, hatten sie fortgetragen. Mir ist davon sonst nichts mehr recht in Erinnerung, als daß wir Kleinen des allzuweiten Weges halber daheim bleiben mußten und so den angstvollen Tag verlebten. Wir hatten uns eingeschlossen ins Haus, schlichen auf den Zehenspitzen umher und fürchteten uns vor Räubern und Mördern.…

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Mutter bekommt kein Geld

Mutter bekommt kein Geld Erzählung von Wilhelm Raabe. Auf der Straße begegnete mir frühmorgens oft ein munterer, fröhlicher Knabe. Er trug für einen Bäcker die Semmeln aus. Eines Tages ließ ich mich in ein Gespräch mit ihm ein. “Mit dem Austragen”, sagte der Knabe mit leuchtenden Augen, “verdiene ich schon ein gut Stück Geld. Meiner Vater, der in einer großen Tischlerei arbeitet, verdient freilich viel mehr.” – “Und was tut denn deine Mutter den ganzen Tag?” fragte ich. “Mutter”, sagte er, “die steht morgens als die erste von uns auf…

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