Das Liedlein vom Kirschbaum

Das Liedlein vom Kirschbaum – ein Gedicht von Johann Peter Hebel. Zum Frühstück sagt der liebe Gott: “Geh, deck dem Wurm auch seinen Tisch!” Gleich treibt der Kirschbaum Laub um Laub, vieltausend Blätter, grün und frisch. Das Würmchen ist im Ei erwacht, es schlief in seinem Winterhaus, es streckt sich, sperrt sein Mündchen auf und reibt die blöden Augen aus. Und darauf hat´s mit stillem Zahn an seinen Blätterchen genagt; es sagt: “Man kann nicht weg davon! Was solch Gemüs` mir doch behagt!” – Und wieder sagt der liebe Gott:…

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Das wohlfeile Mittagessen

Das wohlfeile Mittagessen

Das wohlfeile Mittagessen – eine Erzählung von Johann Peter Hebel Es ist ein altes Sprichwort: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selber darein. – Aber der Löwenwirt in einem gewissen Städtlein war schon vorher darin. Zu diesem kam ein wohl gekleideter Gast. Kurz und trotzig verlangte er für sein Geld eine gute Fleischsuppe. Hierauf forderte er auch ein Stück Rindfleisch und ein Gemüs für sein Geld. Der Wirt fragte ganz höflich, ob ihm nicht auch ein Glas Wein beliebe. “O freilich ja”, erwiderte der Gast, “wenn ich etwas Gutes haben…

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Der kluge Richter

Der kluge Richter

Der kluge Richter – Erzählung von Johann Peter Hebel. Ein reicher Mann hatte eine beträchtliche Geldsumme, welche in ein Tuch eingenäht war, aus Unvorsichtigkeit verloren. Er machte daher seinen Verlust bekannt und bot, wie man zu tun pflegt, dem ehrlichen Finder eine Belohnung, und zwar von hundert Talern an. Da kam bald ein guter und ehrlicher Mann dahergegangen. “Dein Geld habe ich gefunden. Dies wird´s wohl sein! So nimm dein Eigentum zurück!” So sprach er mit dem heitern Blick eines ehrlichen Mannes und eines guten Gewissens, und das war schön.…

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Der schlaue Husar

Der schlaue Husar

Der schlaue Husar, eine Erzählung von Johann Peter Hebel. Ein Husar im letzten Kriege wußte wohl, daß der Bauer, dem er jetzt auf der Straße entgegenging, hundert Gulden für geliefertes Heu eingenommen hatte und heimtragen wollte. Deswegen bat er ihn um ein kleines Geschenk zu Tabak und Branntwein. Weiß weiß, ob er mit ein paar Batzen nicht zufrieden gewesen wäre. Aber der Landmann versicherte und beteuert bei Himmel und Hölle, daß er den eigenen letzten Kreuzer im nächsten Dorfe ausgegeben und nichts mehr übrig habe. “Wenn´s nur nicht so weit…

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Der Zahnarzt

Der Zahnarzt

Der Zahnarzt, eine Erzählung von Johann Peter Hebel. Zwei Tagdiebe, die schon lange in der Welt miteinander herumgezogen, weil sie zum Arbeiten zu träg oder zu ungeschickt waren, kamen doch zuletzt in große Not, weil sie wenig Geld mehr übrig hatten und nicht geschwind wußten, wo nehmen. Da gerieten sie auf folgenden Einfall: Sie bettelten vor einigen Haustüren Brot zusammen, das sie nicht zu Stillung des Hungers genießen, sondern zum Betrug mißbrauchen wollten. Sie kneteten nämlich und drehten aus demselben lauter kleine Kügelein oder Pillen und bestreuten sie mit Wurmmehl…

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Der vorsichtige Träumer

Der vorsichtige Träumer, eine Erzählung von Johann Peter Hebel. In dem Städtlein Witlisbach im Kanton Bern war einmal ein Fremder über Nacht, und als er ins Bett gehen wollte und bis auf das Hemd ausgekleidet war, zog er noch ein Paar Pantoffeln aus dem Bündel, legte sie an, band sie mit den Strumpfbändern an den Füßen fest und legte sich also in das Bette. Da sagte zu ihm ein anderer Wandersmann, der in der nämlichen Kammer übernachtet war: „Guter Freund, warum tut Ihr das?“ Darauf erwiderte der erste: „Wegen der…

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Mißverstand

Mißverstand

Mißverstand – eine Erzählung von Johann Peter Hebel. Im neunziger Krieg, als der Rhein auf jener Seite von französischen Schildwachen, auf dieser Seite von schwäbischen Kreissoldaten besetzt war, rief ein Franzose zum Zeitvertreib zu der deutshen Schildwache herüber: “Filu! Filu!” Das heißt auf gut deutsch: Spitzbube. Allein der ehrliche Schwabe dachte an nichts so Arges, sondern meinte, der Franzose fragte: Wieviel Uhr? und gab gutmütig zur Antwort: “Halber vieri.” (vwh) Mißverstand – Quelle: Schatzkästlein – fünfzig Erzählungen von Johann Peter Hebel, herausgegeben von J. von Harten und K. Henniger, erschienen…

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Eine sonderbare Wirtszeche

Eine sonderbare Wirtszeche

Eine sonderbare Wirtszeche, Erzählung von Johann Peter Hebel Manchmal gelingt ein mutwilliger Einfall, manchmal kostet´s den Rock, oft sogar die Haut dazu. Diesmal aber nur den Rock. Denn obgleich einmal drei lustige Studenten auf einer Reise keinen roten Heller mehr in der Tasche hatten – alles war verjubelt -, so gingen sie doch noch einmal in ein Wirtshaus und dachten, sie wollten sich schon wieder hinaushelfen und doch nicht wie Schelmen davonschleichen, und es war ihnen gar recht, daß die junge und artige Wirtin ganz allein in der Stube war.…

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Drei Wünsche

Drei Wünsche

Drei Wünsche eine Erzählung von Johann Peter Hebel. Ein junges Ehepaar lebte recht vergnügt und glücklich beisammen und hatte den einzigen Fehler, der in jeder menschlichen Brust daheim ist: Wenn man´s gut hat, hätt´ man´s gerne besser. Aus diesem Fehler entstehen so viele törichte Wünsche, woran es unserm Hans und seiner Liese auch nicht fehlte. Bald wünschten sie des Schulzen Acker, bald des Löwenwirts Geld, bald des Meyers Haus und Hof und Vieh, bald einmal hundertausend Millionen bayrische Taler kurzweg. Eines Abends aber, als sie friedlich am Ofen saßen und…

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Eine merkwürdige Abbitte

Eine merkwürdige Abbitte

Eine merkwürdige Abbitte, eine Erzählung von Johann Peter Hebel Das ist merkwürdig, dass an einem schlechten Menschen der Name eines ehrlichen Mannes gar nicht haftet, und dass er durch solchen nur ärger geschimpft ist. Zwei Männer saßen in einem benachbarten Dorf zu gleicher Zeit im Wirtshaus. Aber der eine von ihnen hatte bösen Leumund wegen allerlei, und so sah ihn und den Iltis niemand gern auf seinem Hof. Aber beweisen vor dem Richter konnte man ihm nichts. Mit dem bekam der andere Zwist im Wirtshaus, und im Unwillen, und weil…

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