Die Stadtmaus und die Feldmaus ist eine Erzählung von Martin Luther.
Eine Stadtmaus ging spazieren und kam zu einer Feldmaus; die tat ihr gütlich mit Eicheln, Gerste, Nüssen und womit sie konnte. Aber die Stadtmaus sprach: „Du bist eine arme Maus, was willst du hier in Armut leben? Komm mit mir! Ich will dir und mir genug schaffen von allerlei köstlicher Speise.“ Die Feldmaus zog mit ihr hin in ein herrliches, schönes Haus, darin die Stadtmaus wohnte, und sie gingen in die Kemnaten; da war vollauf von Brot, Fleisch, Speck, Würsten, Käse und anderem. Da sprach die Stadtmaus: „Nun iß und sei guter Dinge! Solcher Speise habe ich täglich überflüssig.“ Indessen kommt der Kellner und rumpelt mit den Schlüsseln an der Tür. Die Mäuse erschraken und liefen davon; die Stadtmaus fand bald ihr Loch, aber die Feldmaus wußte nirgends hin, lief die Wand auf und ab und hatte sich ihres Lebens erwogen.
Da der Kellner wieder hinaus war, sprach die Stadtmaus: „Es hat nun keine Not, laß uns guter Dinge sein!“ Die Feldmaus antwortete: „Du hast gut sagen; du wußtest dein Loch fein zu treffen, dieweil bin ich schier vor Angst gestorben. Ich will dir sagen, was die Meinung ist. Bleibe du eine reiche Stadtmaus und iß Würste und Speck; ich will ein armes Feldmäuslein bleiben und meine Eicheln essen. Du bist keinen Augenblick sicher vor dem Kellner, vor den Katzen vor so vielen Mäusefallen, und ist dir das ganze Haus feind. Solches alles bin ich frei und sicher in meinem armen Feldlöchlein.“
(Quelle: Uralte Weisheit – Fabeln aus aller Welt, Deutscher Sparkassen- und Giroverband e.V., Bonn, ohne Jahr)
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