Anatomie eines Soldaten

Anatomie eines Soldaten

Anatomie eines Soldaten – Der englische Schriftsteller Harry Parker erzählt aus einer originellen und ungewöhnlichen Perspektive

Inhaltsangabe – Anatomie eines Soldaten

Tom Barnes ist Captain bei der Britischen Armee. Er leitet einen gefährlichen Einsatz in einem Kriegsgebiet, das im Debütroman des englischen Schriftstellers Harry Parker nicht näher spezifiziert wird. Barnes tritt bei diesem Einsatz auf eine Mine und verliert beide Beine. Mit dieser Katastrophe beginnt Parker seinen außergewöhnlichen Roman, der in Großbritannien – gefeiert von Kritikern und Lesern – zum Überraschungserfolg wurde. Parker wählt eine äußerst ungewöhnliche Perspektive für seine Geschichte. Er erzählt sie aus der Sicht der Dinge, die Barnes anhat, die er besitzt, die er benutzt, die seinen Weg kreuzen. Als da wären: seine Hose, Geld, ein Bierglas, Waffen, eine Schneeflocke oder eine militärische Medaille. So entsteht ein erzählerisches Kaleidoskop, das effektiv, spannungsgeladen und literarisch meisterlich die Banalität des Krieges, genauso wie seine Unmenschlichkeit und seine Schrecken veranschaulicht. Ein Kaleidoskop, das aber auch von der Hoffnung des Lebens erzählt. Parker ist mit „Anatomie eines Soldaten“ ein mitreißend starker Roman gelungen, der am 9. November 2016 endlich in der deutschen Übersetzung von Johannes Sabinski bei Benevento erscheint.

Bevor Parker Schriftsteller wurde, war er Soldat bei der Britischen Armee. Er diente im Irak und in Afghanistan. Wie der Protagonist in seinem Prosadebüt verlor auch er beide Beine durch eine Bombe. Parker weiß also, wovon er schreibt, wenn er berichtet, wie einen das Leben durch einen Schicksalsschlag von der einen auf die andere Sekunde zu einer extremen Kehrtwendung zwingt – „wenn man in die Luft geblasen“ wird, wie er es in einem Interview ausdrückte, „und man sich wieder zusammensetzen muss“. So entstand die Idee, Barnes‘ Geschichte mithilfe von 45 Gegenständen zu beschreiben, die etwas über Barnes und sein Leben erzählen. Im Buch klingt das beispielsweise so:

„Ich bin ein olivgrüner Dreißigliter-Tagesrucksack. BA5799 hat mich in einem Army-Sonderpostenladen in einer Garnisonsstadt gekauft, als er noch in der Ausbildung war. Während meiner ersten Übung versuchte er mich einzuschmutzen, damit ich nicht länger neu aussah, sondern geschunden und gelebt – nicht wie er sich fühlte, aber wie er sich wünschte, sich zu fühlen.“

Der Leser folgt Barnes nicht nur durch die Schrecken und den Alltag des Krieges, sondern auch in seine Jugend nach England. Wir lernen diesen Barnes näher kennen, erfahren von seinen Überzeugungen, von seinen Selbstzweifeln, von seinem inneren und äußeren Kampf. Und wir erleben die Geschichten von Leuten, die seinen Weg kreuzen, so etwa von zwei Jungen im Kriegsgebiet, deren Leben durch die alltägliche Gewalt erschüttert wird, die aber dennoch Hoffnung auf eine Zukunft hegen.

„Anatomie eines Soldaten ist ein großer Roman“, urteilte die Zeitschrift New Statesman, „über Orte, wo großer Schaden angerichtet wird, aber aus dessen Abgrund man neues Licht mitbringt. Diesen Roman liest man mit Verwunderung, mit Respekt und Dankbarkeit.“ Parkers Debüt kann sich ohne Frage mit Klassikern der Antikriegsliteratur von Erich Maria Remarque oder Tim O‘Brien messen. Es ist ein aufrüttelndes, verstörendes und durch und durch wahrhaftiges Buch, das niemanden kalt lassen wird.
(Literaturtest/vwh)

Bibliografie – Anatomie eines Soldaten

Benevento
Salzburg
2016
ISBN 978-3-7109-0002-0
Hardcover mit Schutzumschlag
ca. 250 Seiten
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