Das Armenteil – Altdeutsche Anekdotensammlung.
Ein reicher Bauer sagte auf seinem letzten Lager zu seiner Frau, er müsse nun sterben, und weil er ihr Geld und Gut genug hinterlassen, so wolle er weiter kein Testament machen; doch müsse sie ihm eines in die Hand versprechen: Den schönen Ochsen im Stall, der auf den Namen März hörte, den solle sie nach seinem Tod verkaufen und den Erlös daraus den Armen geben. Die Frau versprach ihm das.
Als der Bauer nicht lange darauf das Zeitliche gesegnet hatte, zog sie den Ochsen aus dem Stall, band ihm einen Hahn auf den Schwanz und führte ihn an einem Seil auf den Markt.
Die Metzger kamen auch gleich und griffen dem Ochsen ins Fleisch, zu sehen, wie feist er sei, und fragen, wie teuer sie ihn hergebe. Wer den Ochsen kaufen wolle, sagte die Bäuerin, der müsse auch den Hahn kaufen, sie verkaufe keinen ohne den anderen, und wollte für den Gockel dreizehn und für den Ochsen einen Kreuzer haben. Der Handel wurde gemacht, sie bekam zwölf Gulden für den Hahn und einen Kreuzer zu fünf Helle für den Ochsen namens März. Diese verteilte sie sogleich unter fünf Bettler, um Gottes Willen und nach ihrem Gelübde, wie sie dazu sagte; danach ging sie mit den zwölf Gulden für den Hahn in der Tasche fröhlichen Herzens nach Hause.
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