Des Trinkers Ordensband

Des Trinkers Ordensband – Gedicht von Eduard Gottlieb Amthor.

Was ist des Zechers Königreich?
Ein Faß Tokaierwein!
O ja! Ich glaub’, da herrscht sich’s gut.
Da möcht’ ich König sein!
Doch mit der Constitution
Laßt hübsch mich ungeschoren;
Die reine Monarchie hab’ ich erkoren.

Was ist des Zechers Diadem?
Ein frischer Eichenkranz!
Das Trinken ist des Deutschen Rubm,
Die Eiche ist sein Glanz;
Doch and’re Kronen möcht’ ich nicht,
Von ihnen laßt mich schweigen;
Tanst ruht’s sich unterm Kranz’ von Eichen,

Was ist des Zechers Scepter dann?
Ein grüner Rebenstab!
Die Rebe ist der Edelstein,
Den Gott der Menschheit gab.
Die andern Scepter möcht’ ich nicht,
Verbittern nur das Leben;
Doch dieser trägt uns honigsüße Reben.

Was ist des Zechers Ordensband?
Ein Schön’res giebt es nicht!
Du siehst es auf den ersten Blick:
Er trägt es im Gesicht.
Der schwarze Adler kann’s nicht sein,
Der ist ja aus der Mode,
Die Nase ist’s und zwar die kupferrothe!

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Quelle: Bacchus – Buch des Weins, Sammlung der ausgezeichnetsten Trinklieder der deutschen Poesie, herausgegeben von E. M. Oettinger, Baumgärtner´s Buchhandlung, Leipzig, 1854