Die schöne Hannale – [Online-lesen]

Deutsche Dichtung der Neuzeit

Die schöne Hannale
(Autor: unbekannt)

Es freit ein wilder Wassermann,
(Von dem Berg und tiefem Tal
Wohl über die See)
Er freit nach königlichem Adelsstamm,
Nach der schönen Hannale.

Er ließ ein Brücke mit Gold beschlagn,
Darauf sollt sie spazieren gahn.
Die schöne Hannale.

Und als sie auf die Brücke kam,
Der Wassermann zog sie hinab,
Die schöne Hannale.

Da unten war sie sieben Jahr,
Und sieben Kind sie ihm gebahr,
Die schöne Hannale.

Und als sie bei der Wiege stand,
Da hört sie einen Glockenklang,
Die schöne Hannale.

„Ach, Wassermann, lieber Wasserman,
Laß mich einmal zur Kirche gahn,
Mich arme Hannale.“

Und da sie auf den Kirchhof kam,
Da neigt sich Laub und grünes Gras
Vor der schönen Hannale.

Und da sie in die Kirche kam,
Da neigt sich Graf und Edelmann
Vor der schönnen Hannale.

Der Vater macht die Bank ihr auf,
Die Mutter legt das Kissen drauf
Der schönen Hannale.

Sie führten sie zu Tische drauf,
Sie trugen ihr viel Fische auf,
Der schönen Hannale.

„Ach, liebe Mutter, seid so gut,
Werft mir den Apfel in Feuersglut,
Mir armen Hannale?“

„Ei, willst du mich verbrennen hier?
Wer wird unsre Kinder ernähren mir,
du schöne Hannale.“

„Die Kinder wollen wir teilen gleich:
Nehm ich ihr vier und du ihr drei,
Ich arme Hannale.“

„Nehm ich ihr drei, nimmst du ihr drei,
Das siebente wollen wir teilen gleich,
Du schöne Hannale!

Nehm ich ein Bein, nimmst du ein Bein,
Daß wir einander gleiche sein,
Du schöne Hannale.

„Und eh daß ich mir laß mein Kind zerteiln,
Viel lieber will ich im Wasser bleibn,
Ich arme Hannale!“

Quelle: Deutsche Dichtung der Neuzeit, Verlag G. Braun, Karlsruhe, ohne Jahr.

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