Warum der Vogel Strauss nicht fliegen kann – Autor: unbekannt
Früher konnte der Vogel Strauß ganz wie andere Vögel fliegen. Jetzt aber läuft er mit seinen langen Beinen auf der Erde und kann seine Flügel nicht gebrauchen. Das kam so! Eines Tages regnete es in Strömen. Der Strauß saß auf einem Baum und ließ die Regentropfen von sich herunterrieseln. Da kam ein kleines nasses Vögelchen zu ihm und bat: „Großväterchen, heb och deinen großen Flügel ein bißchen auf, damit ich darunter schlüpfe und nicht noch nässer werde.“ Der Strauß war gutmütig und sagte: ja. Und das Vögelchen hüpfte behende unter den einen Flügel. Doch es war ein arger Schelm. Flugs nahm es Nadel und Faden hervor. Und eins, zwei, drei war der Flügel festgenäht. Dann sagte es: „Großväterchen, bitte laß mich unter den anderen Flügel kriechen. Es tröpfelt hier schon durch.“ Damit schlüpfte es unter den anderen Flügel und nähte den auch fest.
Als der Regen vorbei war und die Sonne wieder schien, sagte das Vögelchen scheinheilig: „So nun wollen wir weiterfliegen, das Wetter ist ja wieder schön.“ Damit schlüpfte es hervor und flog fort. Der Strauß wollte folgen, aber seine Flügel waren wie festgewachsen – er fiel zur Erde, und von nun an konnte er nur mehr seine langen Beine gebrauchen.
(Warum der Vogel Strauss nicht fliegen kann, Quelle: Die Märchentruhe, Gerhard Stalling Verlag, vwh, 1924)
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