Wer jetzig Zeiten leben will – [Online – lesen]

Deutsche Dichtung der Neuzeit

Wer jetzig Zeiten leben will – deutsche Volkslied (Autor unbekannt)

Wer jetzig Zeiten leben will,
Muß haben tapfers Herze!
Er hat der argen Feind so viel,
Bereiten großen Schmerze!
Da heißt es stehn wohl unverzagt
In seiner blanken Wehre,
Dass sih der Feind nicht an uns wagt,
Es geht um Gut und Ehre.

Geld nur regiert die ganze Welt!
Dazu verhilft betrügen;
Wer sich sonst noch so redlich hält,
Muss bald doch unterliegen.
Der Kipper, Teufel und Soldat,
Die haben itzt Gewalten;
Was sonst ist, kein Ansehn hat –
Wie soll man Recht behalten?

Weg da Gesetz, weg da mit Recht!
Die können nichts entscheiden.
Der Klein ist so des Großen Knecht,
So alles muss erleiden.
Rechtschaffen hin, rechtschaffen her!
Das sein nur alte Geigen:
Betrug, Gewalt und List vielmehr –
Klag du, man wird dirs zeigen!

Doch wies auch kommt, das arge Spiel,
Behalt ein tapfers Herze!
Und sei´n der Feind gleich noch so viel,
Verzage nicht in Schmerze!
Steht gottgetreulich, unverzagt
In deiner blanken Wehre,
Wenn sich der Feind nun an dich wagt,
Es geht um Gut und Ehre!

(Quelle: Deutsche Dichtung der Neuzeit, G. Braun Verlag, Karlsruhe, ohne Jahr)

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