Zecher´s Wünsche

Zecher´s Wünsche – Gedicht von Eduard Gottlieb Amthor

Wenn ich einmal der Herrgott wär’.
Mein Erstes wäre das:
Ich nähme meine Allmacht her
Und schüf’ ein großes Faß,
Ein Faß, so groß als wie die Welt,
Ein Meer göss’ ich hinein
Von einem Belt zum andern Belt
Vom allerbesten Wein!

Wenn ich einmal der Herrgott wär’.
Mein Zweites wäre das:
Ich nähme meine Allmacht ber
Und schüf’ ein großes Glas,
Ein Glas, so groß bis an den Mond
Und wie die Erde rund,
Daß sich’s des Trinkens auch verlohnt’,
Nähm’ ich es an den Mund!

Wenn ich einmal der Herrgott wär’.
Mein Drittes wäre das:
Ich nähme meine Allmacht her,
Tränk’ stündlich solch ein Maaß.
O welche Wonne wäre nun
In solchem Zug und Druck;
Man könnte dann sich gütlich thun
An einem einz’gen Schluck!

Und hätt’ ich nach so manchem Tag
Das Faß so rein gefegt.
Daß dann bei noch so starkem Schlag
Kein Tröpflein mehr sich regt’.
Dann würf’ ich aus die Kniee mich
Und fing’ laut an zu schrei’n :
„Laß mich, o Gott, ich bitte Dich,
Noch einmal Herrgott sein! ”

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Quelle: Bacchus – Buch des Weins, Sammlung der ausgezeichnetsten Trinklieder der deutschen Poesie, herausgegeben von E. M. Oettinger, Baumgärtner´s Buchhandlung, Leipzig, 1854