Die Bremse – Gedicht von Robert Reinick.
Das Fenster ist zu, der Zeisig singt,
„Summ!“
Die Bremse durch die Stube sich schwingt,
„Wumm!“
Bald brummt sie laut, bald brummt sie still,
Hat alles vollauf, was sie nur will,
Braten und Wein und Zucker drein,
Da kann eine Bremse schon lustig sein.
Die Bremse schaut zum Fenster hinaus,
„Summ!“
Da draußen sieht es anders aus,
„Wumm!“
Sie brummt für sich: „Jetzt seh´ ich´s klar,
Wie garstig es hier drinnen war.
Ich will hinaus! Ich muss hinaus,
Ich halt´s in der Stube nicht aus!“
Der Zeisig hört, was die Bremse spricht,
„Summ!“
Und ruft: „Bleib hier, fort kannst du nicht!“
„Wumm!“
„Du glaubst, von Lust die Scheiben sei´n,
Die sind von Glas und hart wie Stein,
Frau Bremse! sacht! Bald kommt die Magd,
Dann werden die Fenster aufgemacht.“
Die Bremse spricht: „Ich warte nicht!“
„Summ!“
„Und kehr mich an den Schwatzen nicht!“
„Wumm!“
„Ich will hinaus, ich muss hinaus,
Ich halt´s in der Stube nicht aus!“ –
Und, dumm genug, mit wildem Flug
Sie schießt ans Fenster in einem Zug.
Das gab ´nen Stoß! Der arme Kopf!
„Summ!“
Und noch einmal! Der arme Kopf!
„Wumm!“
Sie fliegt und fliegt, hört keinen Rat,
Mit Summ und Wumm von früh bis spat.
„Ich will hinaus? Ich muss hinaus!“
Sie stieß sich, – tot da war es aus! Wumm.
Quelle: Robert Reinicks Märchen-, Lieder- und Geschichtenbuch, Verlag von Velhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig, 1896
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