Das Ährenfeld – ein Gedicht von Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Ein Leben war´s im Ährenfeld
wie sonst wohl nirgends auf der Welt:
Musik und Kirmes weit und breit
und lauter Lust und Fröhlichkeit.
Die Grillen zirpten früh am Tag
und luden ein zum Zechgelag:
„Hier ist es gut, herein, herein!
Hier schenkt man Tau und Blütenwein!“
Der Käfer kam mit seiner Frau,
trank hier ein Mäßlein kühlen Tau,
und wo nur winkt ein Blümelein,
da kehrte gleich das Bienchen ein.
Den Fliegen ward die Zeit nicht lang,
sie summten manchen frohen Sang.
Die Mücken tanzten ihren Reih´n
wohl auf und ab im Sonnenschein.
Das war ein Leben ringsumher,
als ob es ewig Kirmes wär.
Die Gäste zogen aus und ein
und ließen sich´s gar wohl dort sein.
Wie aber geht es in der Welt?
Heut ist gemäßt das Ährenfeld,
zerstöret ist das schöne Haus
und hin ist Kirmes, Tanz und Schmaus.
entnommen:
Vor den Toren, Lesebuch für Rheinland-Pfalz, August Bagel Verlag Düsseldorf, 1952
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