Die älteste und größte Uhr hängt höher noch als die auf dem Turme und alle Leute können sie sehen. Sie tickt nicht und schlägt nicht; keiner braucht sie aufzuziehen und doch geht sie immer. Schon deinem Großvater hat sie die Zeit gesagt und doch ist noch nichts an ihr entzweigegangen.
Alle Uhrmacher achten auf sie, wenn sie die Taschenuhren, die Wanduhren und die Turmuhren richten wollen; sie geht niemals falsch. Alles, was lebt, richtet sich nach ihr, nicht die Menschen allein; dem Vöglein im Neste sagt sie, wenn es Zeit ist das Morgenlied anzustimmen. Die Mücken sehen es an ihr, wann sich´s am schönsten tanzt und das Häschen, wann die Schlummerstunde gekommen ist.
Sogar die Jahreszeiten und die Monate zeigt sie an. Ob es Veilchenzeit oder Kirschenzeit ist, ob Pflaumenzeit oder Schneeballzeit, das alles merkt man an der alten, großen Uhr. Weiß du nun, wie sie heißt? Und kennst du auch den Künstler, der sie gemacht hat und der sie im Gange hält?
„Die älteste und größte Uhr“ ist eine Erzählung von Karl Heinemann.
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