Die zwölf Männer


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Die zwölf Männer ist einer mündlich überlieferte hessische Sage.

Zwischen Seeheim und Niederbeerbach liegt ein Stein am Wege, auf welchem man ein Hufeisen eingedrückt sieht; an der Stelle soll es nicht geheuer sein.

Als im letzten französischen Krieg der preußische Stab in Seeheim lag, da musste der Corporal Petersee in einer Nacht als Ordonnanz nach Niederbeerbach reiten. Als er in die Nähe des Steins kam, stutze sein Gaul und siehe da, der Wald war so hell, wie am Tage, dass man jedes Reis auf den Bäumen zählen konnte.

Er ritt dennoch weiter und fand an dem Stein einen schwarzbedeckten Tisch mit schwarzem Schreibzeug; daran saßen zwölf Männer, deren einer blutrot gekleidet war. Vor ihm lag ein Viertelsbogen Papierr, diesen nahm er vom Tisch, gab ihn seinem Nebenmann und sprach: „Schreib du.“ Der aber schüttelte mit dem Kopf und gab das Blatt weiter, in dem er gleichfalls sprach: „Schreib du.“

So ging das Blatt herum, bis es wieder zu dem Blutroten kam. Dieser bot es jetzt dem Corporal mit den Worten: „Schreib du,“ doch der wagte vor Angst nicht, auch nur ein Glied zu rühren. Da rief der Blutrote in wehklagendem Tone, der dem Corporal ins Herz schnitt: „So will denn Niemand schreiben!“ und im selben Augenblick war alles verschwunden und ringsum herrschte wieder finstere Nacht; der Corporal aber sprengte so schnell er konnte gegen Niederbeerbach hin. Dort erzählte er am anderen Tage dem Pfarrer Seriba die ganze Sache und der schalt ihn und sprach: „Wenn du nur geschrieben hättest: „das Blut Jesu Christi mach uns rein von allen Sünden,“ dann wärest du ein reicher Mann und die Geister wären erlöst. Jetzt hast du nichts, als den Schrecken und die Geister müssen um so länger wandern.“

„Ja,“ sprach der Corporal, „wer das gewusst hätte!“

(Hessische Sagen, herausgegeben von J. W. Wolf, Dieterichsche Buchhandlung, Göttingen, 1853)

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