Werner-Haerter-Archiv

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Et wassen twee Künigeskinner

Et wassen twee Künigeskinner
(Autor: unbekannt)

Et wassen twee Künigeskinner,
De hadden eenander so leef,
De konnen ton anner nich kummen:
Dat Water was vil to breed.

“Leef Herte, kanst du der nich swemmen?
Leef, Herte, so swemme to mi!
Ik will di twee Keskes upstecken,
Un de söllt löchten do di!”

Dat horde ne falske Nunne
Up ere Slopkammmer, o we!
Se dey de Keskes utdömpen:
Leef Herte bleef in de See.

Et was up en Sunndage Morgen,
De Lüde wören alle so fro;
Nich o de Künigesdochter,
De Augen de seten ehr to.

“O Moder”, säde se, “Moder,
Mine Augen dot mi der so we;
Mag ik der nich gohn spatzeren
An de Kant von de ruskende See?”

“O Dochter”, säde se, “Dochter,
Alleene kanst du der nich gohn;
Weck up dine jüngste Süster,
Un de sall met di gohn.”

“Mine allerjüngste Süster
Is noch so ´n unnüsel Kind,
Se plücket wol alle de Blomkes,
De an de Seekante sind.

Un plückt se auck men de wilden
Un lätt de tammen stohn,
So segget doch alle de Lüde:
Dat het dat Künigskind dohn!

O Moder”, säde se, “Moder,
Mine Augen dot mi der so we;
Mag ik der nich gohn spatzeren
An de Kant von de ruskende See?”

“O Dochter”, säde se, “Dochter,
Alleene sast du der nich gohn;
Weck up dinen jüngsten Broder,
Un de sall met di gohn.”

“Min allerjüngsten Broder
Is noch so ´n unnüsel Kind,
He schütt wull alle de Vügel,
De up de Seekante sind.

Un schütt he auk men die wilden
Un lätt de tammen gohn,
So segget doch alle de Lüde:
Dat het dat Künigskind dohn.

“O Moder”, säde se, “Moder,
Min Herte doht mi der so we,
Laet andere gohn tor Kerken,
Ik bed an de ruskende See!”

Dat sat de Künigesdochter
Up´t Hoefd ere goldene Kron,
Se stack up eren Finger
En Rink von Demanten so schon.

De Moder genk to de Kerken,
De Dochter genk an de Seekant,
So genk der so lange spatzeren,
Bes en enen Fisker fand.

“O Fisker, leeveste Fisker,
Ji könnt verdeenen grot Lohn:
Settet ju Netkes to Water,
Fisket mi den Künigessohn!”

He sette sin Netkes to Water,
De Lotkes sünken to Grund,
Fe fiske un fiske so lange,
De Künigssohn wurde sind Fund.

Do nam de Künigesdochter
Von Hoefd ere goldene Kron;
“Sü do, woledele Fisker,
Dat is ju verdeende Lohn.”

Se trock von eren Finger
Den Rink von Demnten so schon:
“Sü do, woledele Fisker,
Dat is ju verdeende Lohn.”

Se nam in ere blanke Arme
Den Königssohn, o we!
Se sprank mit em in de Wellen:
“O Vader und Moder, ade!”

Quelle: Deutsche Dichtung der Neuzeit, Verlag G. Braun, Karlsruhe, ohne Jahr.


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