Mädchen und Hasel
(Autor: unbekannt)
Es wollt ein Mägdlein tanzen gehn,
Sucht Rosen auf der Heide;
Was fand sie da am Wege stehen?
Eine Hasel, die war grüne.
„Nun grüß dich Gott, Frau Haselin!
Von was bist du so grüne?“
„Nun grüß dich Gott, feins Mägdelein!
Von was bist du so schöne?“
„Von was daß ich so schöne bin,
Das kann ich dir wohl sagen:
Ich iß weiß Brot, trink kühlen Wein,
Davon bin ich so schöne.“
„Ißt du weiß Brot, trinkst kühlen Wein
Und bis davon so schöne,
Auf mich so fällt der kühle Tau,
Davon bin ich so grüne.“
„Hüt dich, hüt dich, Frau Haselin,
Und tu dich wohl umschauen!
Ich hab daheim zween Brüder stolz,
Die wollen dich abhauen.“
„Und haun sie mich im Winter ab,
Im Sommer grün ich wieder;
Verliert ein Mädlein ihren Kranz,
Den findt sie nie mehr wieder.“
Quelle: Deutsche Dichtung der Neuzeit, Verlag G. Braun, Karlsruhe, ohne Jahr.
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