Lindenschmid – [Online – lesen]

Deutsche Dichtung der Neuzeit

Lindenschmid

(Deutsches Volkslied, Autor unbekannt)

Es ist nit lang, dass es geschach,
Dass man den Lindenschmid reiten sach
Auf einem hohen Rosse;
Er reit den Rheinstrom auf und ab,
Hat sein gar wohl genossen, ja genossen.

„Frisch her, ihr lieben Gsellen mein!
Es muß sich nur gewaget sein,
Wagen das tut gewinnen;
Wir wollen reiten Tag und Nacht,
Bis wir ein Beut gewinnen!“

Dem Markgrafen von Baden kam neue Mär,
Wie man ihm ins Gleit gefallen wär,
Das tät ihn sehr verdrießen.
Wie bald er Junker Kasper schrieb,
Er sollt ihm ein Reislein dienen.

Junker Kasper zog dem Bäuerlein ein Kappen an,
Er schickt ihn allzeit vorne dran
Wohl auf die freien Straßen,
Ob er den edlen Lindenschmid fänd,
Denselben sollt er verraten.

Das Bäurlein schiffet übern Rhein,
Es kehret zu Frankenthal ins Wirtshaus ein:
„Wir, haben wir nichts zu essen?
Es kommen drei Wägen, seind wohl beladen,
Von Frankfurt aus der Messen.“

Der Wirt der sprach dem Bäurlein zu:
„Ja Wein und Brot hab ich genug!
Im Stall da stehen drei Rosse,
Die seind des edlen Lindenschmid,
Er nährt sich auf freier Straßen.“

Das Bäurlein dacht in seinem Mut,
Die Sache wird noch werden gut,
Den Feind hab ich vernommen.
Wie bald er Junker Kasper schreib,
Dass er soll eilends kommen!

Der Lindenschmid der hätt einen Sohn,
Der sollt den Rossen das Futter tun,
Den Haber tät er schwingen:
Steht auf, herzliebster Vater mein!
Ich hör die Harnisch klingen.“

Der Lindenschmid lag hinterm Tisch und schlief,
Sein Sohn der tät so manchen Rief,
Der Schlaf hat ihn bezwungen:
„Steh auf, herliebster Vater mein!
Dein Verräter ist schon kommen.“

Junker Kasper zu der Stuben eintrat,
Der Lindenschmid von Herzen sehr erschrank.
„Lindenschmid, gib dich gefangen!
Zu Baden an dem Galgen hoch
Daran so sollst du hangen!“

Der Lindenschmid der war ein freier Reutersmann,
Wie bald er zu den Klingen sprang:
„Wir wöllen erst ritterlich fechten!“
Es waren der Bluthund also viel,
Sie schlugen ihn zu der Erden.

„Kann und mag es dann nicht anders gesein,
So bitt ich um den liebsten Sohnen mein,
Auch um meinen Reutersjungen
Haben sie jemands Leid getan,
Dazu hab ich sie gezwungen.“

Junker Kasper sprach nein darzu:
„Das Kalb muß entgelten der Kuh,
es soll dir nicht gelingen!
Zu Baden, in der werten Stadt,
Muß ihm sein Haupt abspringen!“

Sie wurden alle drei gen Baden gebracht,
Sie saßen nicht länger denn eine Nacht;
Wo zu derselbigen Stunde,
Da ward der Lindenschmid gericht,
Sein Sohn und Reutersjunge, ja Junge.

(Quelle: Deutsche Dichtung der Neuzeit, G. Braun Verlag, Karlsruhe, ohne Jahr)


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