Verunglückte Schatzgräber – Sage nach Ludwig Bechstein.
In Sondershausen lebte vor Jahren ein rascher, luftiger Musikant, namens Sauerbier, der ging in einer Himmelfahrtsnacht mit noch einem Kameraden auf den Kyffhäuser, um Schätze zu gewinnen. Allein sie blieben aus und ihre Weiber und Kinder erhoben deshalb großes Wehklagen. Endlich nach acht Tagen tauchte mit einem Male Sauerbier wieder auf, aber nicht mehr lustig und aufgeräumt, wie früher, sondern still und düster und dazu mit abgerissenen Kleidern. Sein blühendes Aussehen von früher war dahin, sein Antlitz erdfahl geworden und er suchte mehr als sonst die Einsamkeit. Drei Tage später kam auch der andere Mann namens Dick auf einem Karren in Stroh gepackt und in todtkrankem Zustande nach Sondershausen zurück. Was ihnen eigentlich zugestoßen war, konnte man nicht aus ihnen herauskriegen, doch ging die Rede, daß beide den Kaiser Friedrich gesprochen und sehr schlimme Zufälle auf dem Kyffhäuser erlebt hätten. Jedenfalls war ihnen die Absicht, auf der Kaiserburg Schätze zu heben, übel vergolten worden. Sauerbier blieb blaß und bleich bis an seinen Tod und sein Kamerad behielt ein lahmes Bein, das ihm, wie man sagte, zerschlagen worden war, als bei ihrem Ausgange die Thür mit Gewalt zufiel.
Quelle: Deutscher Sagenschatz, herausgegeben von Dr. J. W. Otto Richter, Verlag von Otto Mähnert, Eisleben, 1877
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