Vorfrühling – Gedicht von Hugo von Hofmannsthal
Es läuft der Frühlingswind
durch kahle Alleen,
seltsame Dinge sind
in seinem Wehn.
Er hat sich gewiegt,
wo Weinen war,
und hat sich geschmiegt
in zerrüttetes Haar.
Er schüttelte nieder
Akazienblüten
und kühlte die Glieder,
die atmend glühten.
Lippen im Lachen
hat er berührt,
die weichen und wachen
Fluren durchspürt.
Er glitt durch die Flöte
als schluchzender Schrei,
an dämmernder Röte
flog er vorbei.
Er flog mit Schweigen
durch flüsternde Zimmer
und löschte im Neigen
der Ampel Schimmer.
Es läuft der Frühlingswind
durch kahle Alleen,
seltsame Dinge sind
in seinen Wehn.
Durch die glatten
kahlen Alleen
treibt sein Wehn
blasse Schatten
und den Duft,
den er gebracht,
von wo er gekommen
seit gestern nacht.
Entdecke mehr von Werner-Härter-Archiv
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
Users Today : 33
Users Yesterday : 93
Users This Month : 1222
Users This Year : 36423
Total Users : 65010
Views Today : 39
Views Yesterday : 180
Views This Month : 3811
Views This Year : 49998
Total views : 84702
Who's Online : 2