Die Gans – Erzählung von Gotthold Ephraim Lessing
Die Federn einer Gans waren so weiß wie Schnee. Stolz auf dieses blendende Geschenk der Natur, glaubte sie eher zu einem Schwane geboren zu sein, als zu dem, was sie war. Sie sonderte sich von ihresgleichen ab und schwamm einsam und majestätisch auf dem Teiche umher. Bald dehnte sie ihren Hals, dessen verräterischer Kürze sie mit aller Macht abhelfen wollte; bald suchte sie ihm die prächtige Biegung zu geben, in welcher der Schwan ein so würdiges Ansehen hat. Doch vergebens; der Hals war zu steif, und mit aller ihrer Bemühung brachte sie es nicht weiter, als daß sie eine lächerliche Gans blieb, ohne ein Schwan zu werden.
(Quelle: Höheres viertes Lesebuch für amerikanische Schulen, American Book Company, ohne Jahr)
Entdecke mehr von Werner-Härter-Archiv
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
Users Today : 73
Users Yesterday : 117
Users This Month : 1169
Users This Year : 36370
Total Users : 64957
Views Today : 118
Views Yesterday : 166
Views This Month : 3710
Views This Year : 49897
Total views : 84601
Who's Online : 1