Herbst – Gedicht von Nikolaus Lenau
Rings ein Verstummen, ein Entfärben:
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,
sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
ich liebe dieses milde Sterben.
Von hinnen geht die stille Reise,
die Zeit der Liebe ist verklungen,
die Vögel haben ausgesungen,
und dürre Bltter sinken leise.
Die Vögel zogen nach dem Süden,
aus dem Verfall des Laubes tauchen
die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
die Blätter fallen stets, die müden.
In dieses Waldes leisem Rauschen
ist mir, als hör´ ich Kunde wehen,
dass alles Sterben und Vergehen
nur heimlich still vergnügtes Tauchen.
(Quelle: Kompaß – ein Lesewerk, Ferdinand Schöningh, Paderborn, 1965)
Users Today : 65
Users Yesterday : 203
Users This Month : 2347
Users This Year : 19034
Total Users : 47621
Views Today : 76
Views Yesterday : 255
Views This Month : 3098
Views This Year : 23725
Total views : 58429
Who's Online : 0